Beantragung eines Bezugsscheines zum Erhalt der Jodtabletten

Hintergrund

Die Region Aachen (Stadt Aachen, StädteRegion Aachen, Kreis Düren, Kreis Euskirchen und Kreis Heinsberg) befindet sich im Umkreis von 100 km (Außenzone) zum Kernkraftwerk Tihange (Belgien). Die Strahlenschutzkommission* empfiehlt für Gebiete der Außenzone für den Fall der Freisetzung radioaktiven Jods infolge eines schweren Reaktorunfalls die Verteilung von Jodtabletten. Für einen solchen Fall sind in den oben genannten Behörden Jodtabletten in ausreichender Anzahl gelagert.

Zusätzlich hat sich die Region Aachen aus Gründen höchstmöglicher Vorsorge zu einer einmaligen Vorverteilung von Jodtabletten im Zeitraum vom 01.09.2017 – 30.11.2017 entschieden (Antragstellung bis 15.11.2017!).

Unabhängig von der kostenfreien Vorverteilung und der Verteilung im Falle eines schweren Reaktorunfalls können Sie Jodtabletten grundsätzlich in Apotheken kaufen.

Jodtabletten sollen nicht vorsorglich, sondern nur nach Aufforderung der Katastrophenschutzbehörde eingenommen werden.

Funktion von Jodtabletten

Jodtabletten sollen im Falle des Austritts von Radioaktivität eine Anreicherung radioaktiven Jods in der Schilddrüse verhindern und damit Gesundheitsschäden vermeiden. Radioaktives Jod hat die gleichen chemischen und biologischen Eigenschaften wie das in der Nahrung vorkommende natürliche Jod und wird deshalb wie normales, nicht radioaktives Jod in der Schilddrüse gespeichert.

Werden rechtzeitig Tabletten mit einer hohen Konzentration nicht-radioaktiven Jods eingenommen, wird die Schilddrüse mit diesem „gesunden“ Jod gesättigt und kann kein radioaktives Jod mehr aufnehmen (sogenannte „Jodblockade“).

Nach den Empfehlungen der Strahlenschutzkommission sind Personen bis einschließlich  45 Jahren sowie Schwangere und Stillende (altersunabhängig) die Zielgruppe für die Einnahme von Jodtabletten.  Erwachsene ab  46 Jahren sollen danach keine Jodtabletten einnehmen, da bei ihnen das Gesundheitsrisiko für schwere Schilddrüsenerkrankungen in Folge der Tabletteneinnahme höher ist als das Erkrankungsrisiko durch die Aufnahme von radioaktivem Jod. Jedoch kann diese Personengruppe individuell medizinisch prüfen lassen, ob ein Schutz mit Jodtabletten oder dem Medikament Irenat möglich ist. Losgelöst vom Ergebnis dieser medizinischen Untersuchung nimmt diese Personengruppe jedoch nicht an der Vorverteilung teil. Gegebenenfalls müsste sich diese Personengruppe im Falle eines positiven Ergebnisses auf eigene Kosten mit entsprechenden Medikamenten versorgen.

Die Dosierung der Jodeinnahme ist für die einzelnen Altersgruppen genau festgelegt:

Neugeborene bis zu einem Monat sollen 16,25 mg Kaliumiodid erhalten (entspricht einer viertel Tablette), Kleinkinder im Alter vom ersten bis zum 36. Monat 32,5 mg Kaliumiodid (entspricht einer halben Tablette), Kinder und Jugendliche von drei bis zwölf Jahren 65 mg Kalumiodid (entspricht einer ganzen Tablette) und Jugendliche ab 13 Jahren sowie Erwachsene bis einschließlich 45 Jahren und Schwangere sowie Stillende (altersunabhängig) 130 mg Kaliumiodid (entspricht 2 Tabletten).

Die Berechnung der Anzahl der Ihnen zustehenden Jodtabletten erfolgt vor dem Hintergrund der im Antrag gemachten Angaben. Maßgeblich ist das Alter der aufgeführten Person/en bei Antragstellung.

Hiernach berechnet sich aus praktischen Verteilgründen die Tablettenanzahl wie folgt:

Alter

Anzahl Tablette(n)

bis einschließlich 12 Jahren

1

ab 13 Jahren bis einschließlich 45 Jahren + Schwangere, Stillende

2

 

 

Hinweis: Die berechnete Anzahl der Ihnen zustehenden Jodtabletten wird in Form eines Tablettenblisters (1 Tablettenblister = 6 Jodtabletten) ausgegeben.

Der richtige Zeitpunkt für die Einnahme der Jodtabletten wird durch die Katastrophenschutzbehörde bekannt gegeben. Jodtabletten sollen nicht vorsorglich, sondern nur nach Aufforderung der Katastrophenschutzbehörde eingenommen werden.

Informationen

Weiterführende Hinweise finden Sie unter  www.jodblockade.de und in der Informationsbroschüre der Region Aachen: http://epaper.staedteregion-aachen.de/information-fur-die-bevolkerung-in-der-umgebung-des-kernkraftwerkes-tihange-b/57998338

Die Informationsbroschüre ist in begrenzter Anzahl in gedruckter Form in den Verwaltungsgebäuden erhältlich.

Wer erhält Jodtabletten bei der Vorverteilung?

Personen bis einschließlich 45 Jahren sowie Schwangere und Stillende (altersunabhängig).

Wie erhalte ich Jodtabletten?

Hierzu ist die Beantragung eines Bezugsscheines bis spätestens 15.11.2017 notwendig. Nutzen Sie hierfür die Möglichkeit der Online-Beantragung. Hierzu müssen Sie sich im Portal der StädteRegion Aachen unter https://jodtabletten.staedteregion-aachen.de anmelden, anschließend wird Ihnen oben rechts (BEANTRAGUNG JODTABLETTEN) der Link zum Online-Antrag angezeigt.

Papieranträge liegen alternativ in den Verwaltungsgebäuden der StädteRegion aus.

Voraussetzungen für die Beantragung eines Bezugsscheines:

  • Anmeldung im Portal unter https://jodtabletten.staedteregion-aachen.de

  • Mindestalter des Antragstellers: 16 Jahre

  • Gültige Meldeadresse in der StädteRegion Aachen (ausgenommen: Stadt Aachen)

  • Beantragung für eigene Person und für alle weiteren im Haushalt gemeldeten Personen

    (Hinweis: Antragsteller sowie alle weiteren aufgeführten Personen müssen Mitglieder des Haushalts sein und dürfen nicht unter einer anderen Adresse gemeldet sein!)

    Der Antrag kann nur einmalig für den jeweiligen Haushalt gestellt werden!

  • Beantragung bis spätestens 15.11.2017

Wo erhalte ich die Jodtabletten?

Nach Beantragung wird Ihnen ein Bezugsschein zugestellt, mit dem Sie durch Abgabe in allen teilnehmenden Apotheken (https://www.aknr.de) kostenfrei die für Ihren Haushalt vorgesehene Menge an Jodtabletten erhalten.

Bei Aushändigung der Jodtabletten in den Apotheken erhalten Sie einen Informationsflyer zur Einnahme der Jodtabletten. Der Informationsflyer, die Packungsbeilage sowie die Beratungsinformationen des Apothekers  sind von allen im Haushalt lebenden Personen zu beachten.

Die Beantragung sowie die Ausgabe und der Erhalt der Jodtabletten sind für Sie kostenfrei.

Bei Rückfragen

Tel. 02473 9696-115

 

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*Die Strahlenschutzkommission hat den Auftrag, das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) in den Angelegenheiten des Schutzes vor den Gefahren ionisierender und nichtionisierender Strahlen zu beraten.